Nutzerdaten – Das Gold unserer Zeit

Daten statt Gold

GoldbarrenGold, ein Metall mit fast magischer Anziehungskraft hat seinen Wert verloren? Nein, aber der Wert eines Gutes ist immer abhängig von dem Wert, der ihm beigemessen wird. Gold hat allerdings seine Macht gegenüber Daten verloren. Warum? Wer heute im Besitz von Daten ist, Daten über Märkte, Kunden, Nutzer, … kann Prognosen treffen und die vorteilhaften Entscheidungen treffen. Wer weiß, dass zum Beispiel der Goldpreis an den Aktienmärkten von politischen, betriebswirtschaftlichen und zeitlichen Daten abhängig ist und außerdem weiß, all diese Daten zu analysieren, kann bessere Prognosen treffen als derjenige, dem der Zugang zu diesen Daten verwehrt ist. Daten haben die Macht über das Gold erlangt.

Datenmienen

Waren Sie heute schon auf Facebook, Twitter oder Instagram? Haben Sie eine Webseite besucht oder online etwas gekauft? Waren Sie vielleicht einfach nur mit dem Smartphone unterwegs? Ja? Dann haben Sie eine ganze Reihe von Daten hinterlassen.

  • Bei Facebook, Twitter oder einem anderen Social Network zum Beispiel die Seiten, die Sie besucht haben, die Nachrichten, die sie geschrieben haben oder den Beitrag, den Sie geliked haben.
  • Den Beitrag oder Artikel, den Sie gelesen oder gekauft haben. Inklusive Zeit, Ort und Art des Endgeräts.
  • Auch das Smartphone, egal welcher Marke, sendet Daten über Aufenthaltsort, Netzanbindung oder Nutzung.

Sie können sich sicher sein, dass einige der heute angefallenen Daten ausgewertet werden.

Ich habe Sie erschreckt? Das klingt nach Orwells Welt? Ja, aber bevor Sie alle Stecker ziehen und sich einen Hut aus Alufolie basteln, lesen Sie bitte weiter, denn das alles hat auch etwas Gutes und viele der Informationen sind anonymisiert und geschützt. Am Ende des Artikels können Sie immer noch entscheiden, ob Sie die Alufolie brauchen.

Datensammler

Zu den Datensammlern gehören in erster Linie Social Networks, sie analysieren welche Artikel Sie lesen, was Sie interessiert und wer ein ähnliches Interessenfeld wie Sie hat. Aktuell werden auf Facebook jede Minute 510 Kommentare geschrieben, es gibt 293.000 Statusupdates und es werden 136.000 Bilder hochgeladen. Stellen Sie sich vor, das alles würde in Ihrer Timeline dargestellt. Damit Facebook ein „Erlebnis“ (die Meinungen hierzu können abweichen) bleibt, muss Facebook sammeln, analysieren und zuschneiden. Macht Facebook das nur aus Güte? Nein, so schön ist die Welt auch wieder nicht. Sie bezahlen mit Ihren Profildaten, um Ihnen Werbung so passgenau wie möglich zu präsentieren. Je genauer die Werbung auf Sie (und den 100.000, die sich ähnlich verhalten) zugeschnitten ist, desto höher ist der Preis für die Werbeeinblendung.

DatenanalyseAuch normale Webseiten (diese eingeschlossen) und vor allem Onlineshops gehören zu den Datensammlern. Für Betreibern von Webseiten ist es in erster Linie wichtig etwas über das Leseverhalten zu erfahren, zumindest trifft das für mich zu, denn wenn man einen Artikel verfasst hat, möchte man auch wissen, ob der Artikel gelesen wurde – vor allem im Vergleich zu anderen Artikeln. Erst danach kommen eventuell monetäre Interessen, etwa um Banner (Werbung) einzublenden. Gerade Blogger, die von der Schreibarbeit leben, sind auf die Werbeeinnahmen angewiesen. Onlineshops möchten ebenso erfahren, welche Artikel oft besucht und gekauft werden um das Sortiment anzupassen bzw. das Einkaufserlebnis zu verbessern.

Bei großen Social Networks, den Seiten zum Beispiel von Verlagen oder großen Onlinehändlern fallen derart viele Daten an, dass sie nur mit besonderen Analysetools ausgewertet werden können (Big Data).

Wert der Daten

Die so gesammelten, aufbereiteten und analysierten Daten erhalten ihren eigentlichen Wert erst durch eine weitere Komponente. Datenhandel.
Um aus den Mengen an Rohdaten der Nutzer, die als ungeordneter Haufen kryptischer Zeichen vorliegen, einen aussagekräftigen Datensatz, ein Profil, zu erstellen, ist technisches Equipment und sehr viel KnowHow erforderlich. DataWarehouses um die Daten zu speichern, multidimensionale Datenbanksysteme um die Daten zu verwalten und kognitive Analysetools (Künstliche Intelligenz) um die Daten in Form zu bringen. Das ist aufwändig und teuer und kann von Vermarktern in den seltensten Fällen in Eigenregie gestemmt werden. Daher wird mit den Daten, auch mit Ihren, gehandelt. Meist anonym und gruppiert, aber mehr wollen die Vermarkter auch nicht. Ihnen genügt zu wissen wie sie die Personen einer speziellen Gruppe (verheiratete Facebook-Nutzer, Spiegel-Leser mit einer festen Anstellung und gehobenem Gehalt zum Beispiel) um Werbung mit geringen Streuverlusten zustellen zu können.

Datenschutz

Sofern Sie in Europa leben genießen Sie den Luxus von relativ strikten Datenschutzgesetzen. Anonymisierung, Datenhaltung und der Einsatz von Technologien zur Datenerhebung ist geregelt – soweit der Gesetzgeber mit der Technik mitkommt. In anderen Ländern haben die Datenhändler mit weitaus weniger Gesetzen zu kämpfen.

Übrigens: Webseitenbetreiber müssen hierzulande die Art und Weise des Datenschutzes offen legen.

Alufolie

Haben Sie jetzt einen Hut aus Alufolie auf dem Kopf?
Das Sammeln von Daten hat, wie alle Technologien, zwei Seiten. Seien Sie sich einfach bewusst, wer welche Daten wofür sammelt und bei fragwürdigen Seiten ist die selbe Information meist nur einen Klick weit entfernt.

Es kann Ihnen aber auch passieren, dass der Buchhändler um die Ecke zu Ihrem Geburtstag speziell für Sie eine Auswahl an Büchern nur für Sie bereitliegen hat weil er weiß was Sie gerne lesen, wofür Sie sich interessieren, wann Sie Geburtstag haben und dass Sie immer ein paar Tage vorher in den Laden kommen.

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