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Wettbewerbsfähigkeit

Wettbewerbsfähigkeit ist eine Lüge. Zumindest die, die man dir verkauft.

„Wir müssen wettbewerbsfähig bleiben!“ oder „Wir müssen Wettbewerbsfähig werden!“

Sätze, die vernünftig klingen. Verantwortungsbewusst. Fast schon wie ein Naturgesetz.
Und genau deshalb wird er so selten hinterfragt.

Denn wenn man ihn einmal auseinander nimmt, bleibt oft nicht viel übrig außer einer stillschweigenden Vereinbarung: Wir dürfen nicht teurer sein als die anderen. Vielleicht noch ein bisschen besser, ein bisschen schneller – aber bitte nicht so sehr, dass es den Preis rechtfertigen müsste.

Das Problem ist nur: Das hat mit Wettbewerb wenig zu tun. Es ist eher mit schleichendem Rückzug.

Man merkt es nicht sofort. Es beginnt harmlos. Hier wird etwas optimiert, dort ein bisschen reduziert. Prozesse werden effizienter, Angebote schlanker, Leistungen „marktfähiger“. Und plötzlich steht man in einem Feld voller Anbieter, die alle ziemlich ähnlich sind. Unterschiedlich genug, um sich voneinander abzugrenzen – aber nicht unterschiedlich genug, um wirklich herauszustechen.

In diesem Moment kippt das Spiel.
Denn sobald Angebote austauschbar wirken, greift der einfachste Vergleichsmaßstab: der Preis.

Und damit beginnt ein Rennen, das niemand gewinnen kann. Es gibt immer jemanden, der günstiger ist. Immer jemanden, der bereit ist, noch ein Stück weiter runterzugehen. Wenn der Preis dein stärkstes Argument ist, bist du früher oder später ersetzbar.

Der eigentliche Denkfehler liegt tiefer.
Viele glauben, Wettbewerb entsteht dadurch, dass man sich messen kann. Dass man vergleichbar ist. Dass Kunden anhand klarer Kriterien entscheiden können, wer „besser“ ist.

In Wirklichkeit passiert das Gegenteil.

Je vergleichbarer du wirst, desto stärker zwingst du deine Kunden dazu, dich über einfache Kriterien zu bewerten. Und der Preis ist nun mal das einfachste Kriterium von allen.

Das heißt: Du arbeitest aktiv daran, dich selbst in einen Vergleich zu bringen, den du kaum gewinnen kannst.

Vielleicht ist genau das der Moment, an dem man die Richtung ändern sollte.
Denn echte Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht im Vergleich, sondern im Entzug daraus.
Nicht im Mithalten, sondern im Anderssein.

Das klingt erstmal abstrakt, wird aber ziemlich konkret, wenn man es ernst nimmt. Es bedeutet, ein Problem so zu lösen, dass es nicht beliebig wirkt. Eine Haltung einzunehmen, die nicht jedem gefallen muss. Und für Menschen zu arbeiten, die nicht einfach „irgendwen“ suchen, sondern genau dich.

Das ist kein bequemer Weg. Denn er verlangt Entscheidungen. Und jede klare Entscheidung schließt automatisch andere Möglichkeiten aus.
Genau das macht ihn wirksam!

Nehmen wir ein Beispiel, das näher liegt, als vielen lieb ist: Coaching.
Auch hier wird ständig über Wettbewerbsfähigkeit gesprochen. Über Stundensätze, Pakete, Positionierung im Markt. Über die Frage, was „man nehmen kann“ und was „noch akzeptiert wird“.
Und währenddessen passiert etwas Entscheidendes: Die eigene Arbeit wird in Zeit übersetzt.#
60 Minuten. 90 Minuten. Ein Paket mit fünf Sitzungen.
Aber kein Mensch kauft ernsthaft Zeit.

Menschen kaufen Klarheit. Orientierung. Die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, die vorher blockiert waren. Manchmal kaufen sie auch den Mut, den sie alleine nicht aufbringen.
Wenn all das auf einen Preis pro Stunde reduziert wird, verliert es zwangsläufig an Wert. Nicht, weil es weniger wert wäre – sondern weil es so behandelt wird.
Und damit ist man wieder im alten Spiel: vergleichbar, austauschbar, ersetzbar.

Die unbequeme Wahrheit ist: Viele sprechen von Wettbewerb, meinen aber Anpassung. Sie sprechen vom Markt, meinen aber Sicherheit. Und wenn sie über den Preis reden, reden sie oft über Angst.

Angst, zu teuer zu sein.
Angst, nicht gebucht zu werden.
Angst, aus dem Raster zu fallen.

Diese Angst hält sie in einem System, das genau diese Unsicherheit immer weiter verstärkt.
Was wäre, wenn Wettbewerbsfähigkeit etwas völlig anderes bedeutet?

Nicht mitzuhalten, sondern bewusst eine andere Position einzunehmen. Nicht lauter zu werden, sondern klarer. Nicht günstiger, sondern relevanter.

Plötzlich verändert sich etwas.

Man ist nicht mehr einer von vielen, zwischen denen man wählen kann. Sondern jemand, den man entweder will – oder eben nicht.

Und genau das ist der Punkt.
Denn echte Entscheidung entsteht erst dann, wenn es überhaupt etwas zu entscheiden gibt.

Wenn du ehrlich hinschaust, weißt du wahrscheinlich schon, wo du gerade stehst. Ob du dich im Vergleich bewegst – oder langsam beginnst, dich daraus zu lösen.

Die Antwort ist selten bequem. Aber sie ist eindeutig.

Und genau dort beginnt die eigentliche Arbeit.

Nicht am Preis.
Sondern an dir.

Wenn du spürst, dass du eigentlich anders arbeiten willst, aber noch im Vergleich festhängst –
dann lies den Beitrag.

Oder schreib mir direkt. Manchmal reicht ein Gespräch, um aus dem Spiel auszusteigen.
Hier geht es zu meinen Kontaktdaten.


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