Keine Angst vor Dir selbst
Warum deine dunklen Seiten keine Schwächen sind – sondern Wahrheit
„Don’t be afraid of who you are.“
Dieser Satz stammt nicht aus einem Coaching-Handbuch. Er kommt aus einer Szene, in der sich eine Figur ihrem eigenen Schatten gegenübersieht. Und genau deshalb trifft er so präzise.
Die meisten Menschen haben keine Angst vor Veränderung. Sie haben Angst davor, sich selbst zu begegnen, wenn sie aufhören, sich zu erklären, zu kontrollieren oder anzupassen. Vor der eigenen Wut. Vor der eigenen Härte. Vor dem Moment, in dem sie merken: Da ist mehr in mir, als ich mir bisher erlaubt habe.
Schon früh lernen wir, wie man „sein sollte“. Freundlich. Vernünftig. Belastbar. Unauffällig. Alles andere gilt schnell als Schwäche oder Makel. Also wird sortiert, geglättet, angepasst. Was nicht passt, verschwindet im Inneren – zumindest glauben wir das.
Carl Gustav Jung war da ehrlicher. Er sagte:
„Was du nicht bewusst machst, tritt als Schicksal in dein Leben.“
Im Alltag zeigt sich das unspektakulär und gleichzeitig brutal. Menschen, die sich für ruhig halten, werden irgendwann unkontrollierbar wütend. Menschen, die immer stark waren, brechen zusammen. Menschen, die sich für bescheiden halten, sabotieren sich selbst. Nicht, weil sie zu dunkel sind, sondern weil sie ihre Dunkelheit nie kennengelernt haben.
Was wir gern „Schwächen“ nennen, sind oft Eigenschaften ohne Erlaubnis. Ungeduld ist nicht selten ein feines Gespür dafür, dass etwas zu langsam oder unehrlich läuft. Wut ist häufig nichts anderes als eine Grenze, die zu lange ignoriert wurde. Kontrollbedürfnis hat viel mit Verantwortungsgefühl zu tun. Rückzug ist oft Selbstschutz. Selbst Zynismus kann ein hochsensibler Sensor für Bullshit sein.
Das Problem ist nicht diese Eigenschaften zu haben. Das Problem ist, sie moralisch abzuwerten, statt sie zu verstehen und zu führen.
Viele verwechseln Licht mit Güte und Dunkelheit mit Gefahr. Doch ein Mensch, der nur „lichtvoll“ sein will, wird nicht automatisch gut. Er wird oft harmlos. Anpassungsfähig. Berechenbar. Und damit erstaunlich leicht verletzbar.
Oder anders gesagt: Licht ohne Dunkel ist keine Tugend. Es ist Ohnmacht.
In der Popkultur wird das oft klarer ausgesprochen als in der Arbeitswelt. Der Joker provoziert Batman nicht, weil er Chaos liebt, sondern weil er ihm den Spiegel hinhält. Vader verführt Luke nicht mit dem Versprechen von Bosheit, sondern mit Macht und Ganzheit. Und die dunkle Rey sagt nicht: Werde böse. Sie sagt: Hör auf, vor dir selbst wegzulaufen.
Dark Side Coaching oder Schattenarbeit bedeutet deshalb nicht, allem freien Lauf zu lassen. Es ist kein Freifahrtschein für Ego oder Rücksichtslosigkeit. Im Gegenteil. Es geht um Verantwortung. Um die bewusste Führung dessen, was ohnehin da ist.
Denn unterdrückte Schatten wirken trotzdem. Sie zeigen sich passiv-aggressiv, in Erschöpfung, in Zynismus, in innerer Leere oder körperlichen Symptomen. Die dunkle Seite wird nicht gefährlich, weil sie existiert. Sie wird gefährlich, weil sie unbewusst bleibt.
Die meisten wissen sie tatsächlich nicht. Und genau deshalb leiden sie.
Keine Angst vor sich selbst zu haben heißt nicht, sich zu idealisieren. Es heißt, sich auszuhalten. Mit Brüchen, Widersprüchen, Ego, Sehnsucht nach Wirkung und dem Wunsch, nicht mehr klein zu spielen. Der Schatten ist kein Feind. Er ist eine Möglichkeit.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob er da ist.
Sondern ob du ihn führst – oder ob er dich führt.
Vielleicht ist das die eigentliche Einladung hinter diesem Satz. Keine Angst vor dir selbst zu haben bedeutet, dich nicht länger zu entschärfen. Deine Schwächen nicht mehr zu verstecken. Deine dunklen Seiten nicht mehr zu verteufeln.
Nicht, weil du perfekt bist.
Sondern weil du vollständig sein darfst.
Coaching beginnt nicht mit Zielen.
Sondern mit der Bereitschaft, sich selbst auszuhalten.
Wenn du das willst, melde dich bei mir.
Alles Weitere klären wir im Gespräch.
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